Ursula Althof-Kruse
Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie
‐ Psychotherapie ‐

Wonach soll man am Ende trachten?
Die Welt zu kennen -
und sie nicht zu verachten.

- J. W. von Goethe

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Dysmenorrhoe - Informationen, Therapie

Zusammenfassung:
Die Dysmenorrhoe-Patientin wird in Form eines Briefes direkt und persönlich angesprochen.
In einer dem Laien verständlichen Weise wird der Verlauf des Schmerzerlebnisses beschrieben und eine Ableitung zum eigenen Schmerzerlebnis geschaffen. Anhand dieser Beschreibung wird der Patientin der Therapieansatz deutlich gemacht und sie als mitverantwortlich in eine Form der Behandlung einbezogen, die die Patientin als Partner sieht.

Nach Keller ist die Dysmenorrhoe eine "Autogene Krankheit" und somit das Autogene Training die Therapie der Wahl.

Liebe Dysmenorrhoe-Patientin,
Sie haben bereits mehrmals meine Praxis bzw. verschiedene Praxen wegen Ihrer Schmerzen bei der monatlichen Periodenblutung aufgesucht und immer wieder erfahren müssen, daß organisch kein Grund für diese starken Schmerzen vorliegt. Meine Kollegen und ich haben uns viele Gedanken gemacht und wir glauben Ihnen, daß Sie sehr zu leiden haben. Wir möchten Ihnen helfen, erfahren aber immer wieder, daß es allein mit Schmerzmitteln, die zum Teil helfen, zum Teil für eine gewisse Zeit helfen, zum Teil aber gar nicht helfen, nicht getan ist. In diesem Zusammenhang möchten wir Sie darüber informieren, wie es überhaupt zu einer Schmerzwahrnehmung kommt. Bei jedem Schmerzerlebnis handelt es sich immer um zwei unterscheidbare Prozesse.

Wie es zur Schmerzwahrnehmung kommt

  1. das sensible Ereignis, eine Reizung der Nerven durch schmerzauslösende Stoffe,
  2. die zentrale Reaktion, die sich im Mittelhirn und Zwischenhirn (Thalamus) abspielt und eine starke motivationale Komponente beinhaltet.

Nun werden Sie mit Recht sagen: Gegen die schmerzauslösenden Reize, die nun einmal jeden Monat wiederkehren, kann ich doch nichts tun, die sensiblen Ereignisse wiederholen sich immer wieder. Das ist richtig; die Reize werden bei Auslösung immer wieder zum Zwischen- und Mittelhirn geleitet, wenn nicht - wie es zum Teil in skandinavischen Ländern gemacht wird - die Schmerzleitungen durchtrennt werden, was wir aufgrund der möglicherweise entstehenden Nebenwirkungen nicht beabsichtigen. Wenn wir also die Schmerzen hier nicht "packen" können, dann beim zweiten Prozeß, der immer die entscheidendere Rolle spielt.

Was hat es mit der zentralen Reaktion, mit der motivationalen Komponente auf sich? Und wie kann man hier den Schmerz beeinflussen?

Der Schmerz gleicht hinsichtlich seiner Fortleitung jedem anderen sensiblen Prozess. Die Schmerzerregung, die zuerst im Rückenmark auftritt, wird von dort in eigenen Bahnen zum Hirn geleitet. Allerdings erreichen seine spezifischen Bahnen nicht die Großhirnrinde direkt, sondern auf den Ebenen des Mittelhirns und des Zwischenhirns werden die Schmerzleitungen komplexer, verzweigen sich und beeinflussen nun erst das Großhirn über zerstreute, ungeordnete Bahnen. Im Thalamus erfolgt die affektive Bewertung des Schmerzes "es tut sehr weh". Im Großhirn hat man nirgendwo ein spezifisches Schmerzzentrum entdecken können, wie etwa ein Seh- oder Hörzentrum. Durch die Verbindungen zum Großhirn und hier wieder durch die Querverbindungen zu den Assoziationsfeldern kommt der Ich-Bezug des Schmerzes zustande: ‘es tut mir weh‘. Sowohl die Wahrnehmung ‘es tut sehr weh‘ (Thalamus) wie diejenige ‘es tut mir weh‘ wird durch eine Narkose unterbunden. Auch Analgetika, die Schmerzmittel, die Sie meist erhalten, hemmen die Bewußtwerdung des Schmerzes bzw. die Weiterverarbeitung des sensiblen Reizes zum Schmerz, was dann zu emotionalen Reaktionen, wie zum Beispiel Weinen, Klagen, Jammern, Zornausbrüche führt.

Das Schmerzerlebnis beeinflußt unser Gesamtverhalten

Erstaunlich am Schmerzerlebnis - betrachtet man es als ein sensibles Ereignis und vergleicht es mit anderen sensiblen Ereignissen - ist die Tendenz, das Gesamtverhalten des betreffenden Individuums - oder soll man sagen des betroffenen Individuums? - zu kontrollieren und zu beeinflussen. Ein Ton oder ein Lichtreiz kann, ist er nicht übermäßig stark, leicht für einige Zeit übersehen bzw. überhört werden. Im Gegensatz dazu tendiert bereits ein schwacher Schmerzreiz dazu, jede andere Stimulation zu überrennen und den Verlauf des Gesamtverhaltens zu bestimmen.

Die enorme Durchschlagskraft der Schmerzverarbeitung ist darauf zurückzuführen, daß es sich bei der Schmerzwahrnehmung um eine allgemeine Motivation bzw. emotionale Reaktion, also um eine subjektive Empfindung, handelt.

Tierexperimente (6) weisen darauf hin, daß die Motivationswirkung des Schmerzes in gewissem Maße auf früheres Lernen zurückgeht, das während des Wachstums stattfindet. Ein Schimpanse, der während der ersten 18 Monate seines Lebens Papphülsen über Händen und Füßen tragen mußte und daher nur wenig Schmerzerfahrung machen konnte, reagiert auf Nadelstiche anders als normal aufgewachsene Tiere. Ebenso zeigten Hunde, die in völliger Isolation aufgezogen wurden und wenig Erfahrungen mit Schmerzen machen konnten - außer mit denen, die sie sich selbst zufügten - nahezu keine Reaktion auf Stimulation, die üblicherweise als schmerzhaft empfunden und auf die mit einer intensiven Vermeidungsreaktion geantwortet wird. Offensichtlich hat der Schmerz bei den Versuchstieren nicht die gleiche Dominanz über das Verhalten wie bei normal aufgewachsenen Tieren.

Wenn es nicht unter Ihrer Würde ist, die mit Tieren gemachten Versuchsergebnisse - bei Menschen kann man diese Art Versuche nicht machen, wie Sie einsehen werden - auf Menschen zu übertragen, könnten Sie für sich hier eine Denkpause einlegen bzw. eine Anregung zum überdenken Ihrer "Schmerzerziehung" entnehmen. Wie sah, wie sieht es in Ihrer Familie und Umgebung in Bezug auf Schmerzen, Krankheit, Mißempfindung aus? Wie reagieren die Betroffenen? Wie die Nicht-Betroffenen?

Die Erfahrung "Schmerz"

Der Ausdruck ‘Schmerz‘ bezieht sich, so wie er allgemein verstanden wird, sowohl auf ein unterscheidbares sensibles Ereignis, das selbst noch keine stark motivierenden Wirkungen hat, als auch auf einen Motivationszustand, der durch dieses sensorische Ereignis ausgelöst wird und auf frühere Erfahrungen mit Schmerzen zurückgeht. Daraus ist zu entnehmen, daß Schmerz bei den meisten Individuen zum größten Teil eine erworbene Motivation ist.

Es gibt sehr viele Frauen, die nie in ihrem Leben unter Dysmenorrhoe gelitten haben, und viele, die dieses Leiden sozusagen "in den Griff" bekommen haben. Das schmerzauslösende Argens ist ja bei diesen Frauen auch gegeben; die Schmerzbeeinflussung muß demnach bei dem zweiten Prozeß, der motivationalen Komponente, eingesetzt haben. Wie die oben erwähnten Frauen ihre Schmerzwahrnehmung in dieser Komponente beeinflussen und wie Sie eine Möglichkeit für sich persönlich ableiten können, möchte ich Ihnen aufzeigen, nachdem ich zuvor noch eine Besonderheit der Schmerzstimulation erwähne, die für die Stärke der Motivation, durch die sie ausgelöst wird, verantwortlich sein könnte.

Das Geschehen, das normalerweise Schmerz auslöst, ist eine Gewebeverletzung! Hat diese Stimulation nun einmal begonnen, kann sie nicht wie eine akustische oder visuelle durch Zuhalten der Ohren oder Schließen der Augen unterbrochen werden, sondern sie dauert an. Schmerz dauert aber nicht nur häufig über längere Zeit an, sondern er hat auch die unangenehme Eigenschaft, nochmals anzusteigen, bevor er endgültig abklingt. Daraus folgt, daß der einleitende Reiz selbst nur wenig störend, jedoch das Signal dafür ist, daß die Stimulation andauern und an Stärke zunehmen wird. Unter solchen Umständen ist die ‘gelernte‘, durch Erfahrung erworbene Abneigung gegen jede Schmerzstimulation zu verstehen und zu erwarten. Diese Erfahrungen führen zu einer Schmerz-Erwartung und dem daraus entsprechenden Verhalten. Sie wissen bereits bei den ersten Anzeichen, ‘was Sie wieder erwartet‘. Bei Ihren speziellen Beschwerden kommt nun noch der Zeitfaktor dazu: Wie bei keiner anderen Schmerzerfahrung können Sie bereits die Zeit angeben, wann es Ihnen schlecht geht. Wie von selbst stellen sich die vorausgesehenen Mißempfindungen ein - und auch Ihre Reaktionen: Sie schränken Ihren Verhaltensspielraum ein, nehmen eine Schonstellung ein und sinken in sich zusammen; es ergibt sich eine Unzufriedenheit und weitere Konzentration auf "Ihren" Schmerz, und Sie erleben: Ihre Prophezeiung hat sich erfüllt (self fulfilling prophecy).

Wie man dem Schmerz zu Leibe rücken kann

Nun gibt es verschiedene Ansätze, Ihrem Schmerz ‘zu Leibe‘ zu rücken!
Von den tierexperimentellen Ergebnissen wissen Sie, daß Schmerzerfahrung und Reaktion auf Schmerzen gelernt werden. Sie haben daraufhin überlegt, wie Sie und Ihre Umgebung auf eigene und mitgeteilte Schmerzerlebnisse reagieren. Vielleicht haben Sie festgestellt, daß Ihre Mutter Mittelpunkt der Familie war, wenn es ihr nicht gut ging, daß Sie oder Ihr Vater umhegt, verwöhnt und bedauert wurden, wenn sich Schmerzen breitmachten. Wenn Sie nun Ihre Beschwerden betrachten, die Sie hierher geführt haben, im Volksmund heißen sie auch ‘Frauenschmerzen‘, sollten Sie vielleicht auch einmal Ihre ‘Frauenrolle‘ überdenken - akzeptieren Sie sich als Frau? Wie sieht Ihre Einstellung anderen Frauen gegenüber aus? Wie Ihre Fremd- und Eigenerziehung? Wie steht Ihre Umgebung zur ‘Frau‘? Wie zu ihren Aufgaben, Bestimmungen, der Stellung innerhalb der Familie und der Gesellschaft? Und nun überlegen Sie bitte einmal, wie Ihre Mutter (und andere weibliche Familienmitglieder, Schwestern, Cousinen, Tanten) auf ‘ihre‘ Periodenschmerzen reagieren, wie die übrige Familie? Wie sind sie aufgeklärt, wie auf Ihre erste Menstruationsblutung vorbereitet worden? Wie wurde Ihnen die Funktion der Periode erklärt? Wurde sie als ein ‘schlimmes‘ Ereignis mit enormen Begleiterscheinungen dargestellt, womit man nun ein Leben lang zu kämpfen hat? Oder als eine Gegebenheit, die regelmäßig auftritt und hingenommen werden kann, ohne den Verhaltensspielraum großartig einzuschränken? Wie stehen Sie, wie steht Ihre Umgebung zur Sexualität?

Das sind jetzt viele Fragen auf einmal, die Ihnen selbst Ihre Einstellungen zu sich als Frau und zu Ihren ureigenen Schmerzerfahrungen bewußtmachen könnten.

Die Einstellung muß verändert werden

Bereits bei der Veränderung Ihrer Einstellung zu Periodenbeschwerden liegt ein wesentlicher Weg der Schmerzbeeinflussung. Sie werden sicher schon erlebt haben, daß kaum etwas so schwer zu beeinflussen ist wie Einstellungen und Gewohnheiten, da diese sich im Laufe einer langen Selbst- und Fremderziehung gebildet und gefestigt haben. Wenn Sie nun wissen, daß sich eine Einstellungsveränderung dann vollzieht, wenn man Erfahrungen macht, die

  • neu,
  • unerwartet,
  • mit Konflikten beinhaltet sind,

können Sie gezielt Erfahrungen dieser Art herbeiführen.

Dieser an Sie gerichtete Brief ist sicherlich neu und auch unerwartet, und wenn wir nun noch erreichten, daß dadurch bei Ihnen ein Konflikt ausgelöst wird, haben Sie und ich bereits den Grundstein der Einstellungsveränderung gelegt.

Bis zum heutigen Tag haben Sie die Behandlung Ihrer Schmerzen immer dem ‘Doktor‘ überlassen. Dadurch, daß Sie bis zu diesem Satz gelesen haben, zeigen Sie, daß Sie daran interessiert sind, Ihre Schmerzen mit zu behandeln und womöglich demnächst selbst in Griff zu bekommen. Dazu möchte ich als Ihr Therapeut des Vertrauens - denn sonst wären Sie nicht hier! - den Weg zeigen. Ein altes Sprichwort sagt: "Gib einem Mann ein Stück Brot, und Du hast einen Hungrigen für einen Tag gesättigt. Zeig ihm, wie man Korn anbaut, und Du hast ihm für sein Leben zu essen gegeben." Wenn es nicht zu vermessen klingt, möchte ich diesem Sprichwort - nicht wie bisher Schmerzmittel für einen Tag -, sondern Ihnen zu lebenslanger beschwerdefreier bzw. -armer Menstruation verhelfen. Allerdings zeige ich Ihnen nur den Weg dahin: gehen müssen Sie ihn; auch der Schwimmmeister zeigt, wenn Sie schwimmen lernen wollen, nur die Schwimmzüge - ins Wasser springen müssen Sie selbst.

Ihre Dysmenorrhoe-Behandlung müssen Sie selbst in die Hand nehmen

Zur Behandlung Ihrer Dysmenorrhoe müssen wir, müssen Sie sicherlich mehrgleisig verfahren. Ein Weg, die Einstellung in Bezug auf Schmerzen, speziell Periodenbeschwerden, zu überprüfen und gegebenenfalls zu verändern, ist Ihnen oben deutlich geworden. Wesentliche Hilfe leisten da Beschaffung von Informationen bezüglich physiologischer Zusammenhänge und informelle Gespräche mit Frauen. Entwickeln Sie Initiative in dieser Hinsicht! Dann könnten Sie eine Gewissenserforschung der oben genannten Fragen halten. Sie brauchen niemandem darüber Rechenschaft abzulegen, es geht darum, daß Sie sich Klarheit verschaffen, Zusammenhänge auf- bzw. entdecken und für sich allein die Querverbindungen schaffen. Man hat häufiger beobachtet, daß Frauen, die schwer unter ihrer Dysmenorrhoe gelitten haben, nach Findung einer glücklichen Partnerschaft; nach Akzeptierung der vorher abgelehnten Frauenrolle; nachdem sie zu sich selbst gefunden haben und sich selbst akzeptieren, ohne eine gezielte Therapie beschwerdefrei geworden sind. Vielleicht können Sie in dieser Hinsicht irgendwo bei sich eine Parallele in puncto Unzufriedenheit mit sich selbst, mit dem Schicksal, mit Gott und der Welt entdecken; und dann, wenn Sie diese erkannt haben, die Erkenntnis bei sich zugelassen haben, relativ einfach beheben.

Weitere Punkte, die eine große Rolle bei der Schmerzempfindung spielen und die Sie verändern können, sind die oben erwähnte ‘selbsterfüllende Prophezeiung‘, die Bewertung des Schmerzes ‘es tut schrecklich weh‘, die Einstellung Schmerzen gegenüber, die Konzentration auf den Schmerz. All diese Punkte können Sie mit ein und derselben Methode beeinflussen, und Sie sind - das haben Sie häufig genug gezeigt - beeinflussbar: Warum wollen Sie diese Ihre Eigenart nicht einmal bei sich in Ihrem eigenen Interesse gezielt einsetzen? Denn das Gute an Ihrer Situation ist: Sie haben erlebt und gezeigt, dass der Schmerz Sie stark ins Negative beeinflussen kann, demnach sind sie gut beeinflußbar, nun besteht Ihre Aufgabe lediglich darin, Ihre Beeinflußbarkeit in anderer, in der von Ihnen gewünschten Richtung auszunützen. Andere Leute, Umstände, körperliche Mißempfindungen können Ihr Vegetativum beeinflussen - nur Sie selbst bisher nicht, und das ändern Sie von nun an! Ihre Form von Beschwerden zählt nach Keller zu den ‘autogenen Krankheiten‘, Leiden, die sich verselbständigt haben und zur Zeit nicht unter eigener Kontrolle sind. Sie haben, indem Sie in Ihrer Gewissenserforschung einige Zusammenhänge ent- und aufgedeckt haben, nun die Möglichkeit und Aufgabe, Kontrolle über Ihre Beschwerden zu bekommen.

Als Methode der Therapiewahl Ihrer ‘autogenen Krankheit‘ bietet sich - entsprechend der auffallenden Wortverwandtschaft - das Autogene Training an. Hier erreichen Sie nicht nur eine reine Körperentspannung, die Ihnen sicherlich zunächst große Dienste erweisen wird, da bei der Dysmenorrhoe ein Großteil der Schmerzen durch körperliche Verspannungen hervorgerufen wird, sonder später auch durch die gezielte Organentspannung über das Sonnengeflecht eine direkte Beeinflussung des Uterus.

Der Schmerz ist noch da, tut aber nicht mehr weh!

Zunächst erlernen Sie das Autogene Training ‘bewußt‘, das heißt über die Großhirnrinde, dann verselbständigen sich diese Erfahrungen und Bewußtseinsveränderungen; Ausgangspunkt sind dann tiefere Schichten des Hirns, zum Beispiel der Thalamus, also entgegengesetzt der anfangs aufgezeichneten Schmerzleitung. Haben Sie diese Verselbständigung der Körperentspannung erreicht, gelangen Sie zu einem sehr wesentlichen Punkt des Autogenen Trainings, dem A und O, wenn man eine Veränderung anstrebt, der Vorsatzbildung. Sie erreichen durch diese post-autohypnotischen Aufträge eine Gelassenheit Schmerzen gegenüber, eine Aufmerksamkeitsverlagerung, eine Richtungsänderung der selbsterfüllenden Prophezeihung. Sie sehen, Sie können Ihren Schmerz aktiv, durch Erlernen von Autogenem Training, Veränderung von Denkstrukturen etc., beherrschen lernen: Sie brauchen sich nicht passiv Ihrem Schmerz zu ergeben. Sie werden durch Ihre Aktivitäten dem Schmerz nicht nur die Spitze nehmen, sondern seinen ‘verletzenden‘ Charakter! Sie werden nach einiger Zeit dem Schmerz nicht mehr die Bedeutung beimessen, sondern vielmehr erfahren, daß der Schmerz zuweilen zwar noch da ist, er aber nicht mehr weh tut!

Literatur

  1. Bergmann, W.: Histologie und Mikroskopische Anatomie des Menschen. Stuttgart 1977.
  2. Kaeser, H. E.: Schmerz. In: Siegenthaler, W.: Klinische Pathophysiologie. Stuttgart 1973.
  3. Keidel, W. D.: Physiologie. Stuttgart 1969.
  4. Keller, W.: Das psychosoziale Spannungsfeld. In: Z. Allg. Med. 53, 1201-1205 (1977).
  5. Langen, D.: Die gestufte Aktivhypnose. Stuttgart 1977.
  6. Lindemann, H.: überleben im Streß. Autogenes Training. München 1973.
  7. Melzack, R., and Scott, T. H.: The Effects of early Experience on the Response to Pain. In: J. of comperative and physiological. Psychologie 50, 155-161 (1967).