Ursula Althof-Kruse
Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie
‐ Psychotherapie ‐

Eine der wichtigsten Fortbewegungsarten
des Menschen ist,
dem anderen auf halbem Weg entgegenzukommen.

- Anonym

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Flugangst (Aviophobie)

Flugangst - eine Phobie, die sich immer aus verschiedenen Ängsten zusammensetzt.
Laut einer aktuellen Studie aus dem Jahre 2006 gibt es drei Gruppen von Betroffenen:

  • 62% sind mindestens einmal im Leben geflogen, und die Flugangst trat plötzlich und unerwartet auf.
  • 33% der Menschen mit Flugangst nennen als Auslöser ihrer Flugangst eine subjektiv negative Erfahrung (heftige Turbulenzen, Notlandung usw.) während eines Fluges.
  • 5% der Betroffenen sind hingegen noch nie geflogen und haben Angst vor dem ersten Flug.

Wie sich aus dieser Aufteilung ergibt, hatten nicht wenige Menschen zunächst keine Schwierigkeiten mit dem Fliegen, für sie war Flugangst ein Fremdwort. Die Flugangst trat dann jedoch auf, weil sie während des Fluges mit bestimmten Ereignissen konfrontiert wurden, die ihnen die Unbefangenheit nahmen. Eine unvorhergesehene Zwischenlandung aus technischen Gründen, langes Kreisen in den Warteschleifen über dem Zielflughafen, plötzlich auftretende Turbulenzen haben die Flugangst bei ihnen ausgelöst. Bei anderen Menschen kann die Höhenangst (das bekannte Schwindelgefühl am Balkon von Hochhäusern) oder die verbreitete Angst vor geschlossenen Räumen in Flugangst übergehen. Wieder andere, nicht zuletzt in verantwortlichen Positionen, kämpfen mit dem vom Auto her vertrauten "Beifahrersyndrom", das ist die Schwierigkeit, sich einem anderen, seiner Kompetenz und seinem Reagieren auf Gedeih und Verderb anzuvertrauen. Das heißt hier, sich den Piloten anzuvertrauen.

Stars mit Flugangst

Selbst bekannte Personen leiden unter Flugangst, wie zum Beispiel Til Schweiger, Whoopie Goldberg, Steven Spielberg oder der Dalai Lama. Daran kann man sehen, daß auch berühmte Persönlichkeiten durchaus unter Flugangst leiden.

Ursachen von Flugangst

Die Angst in uns als biologische Reaktion ist ein ganz normaler und natürlicher Vorgang. Sie ist sogar lebensnotwendig, denn in einer bedrohlichen oder gar lebensbedrohlichen Situation ist eine Fluchtreaktion unabdingbar. Um unser Leib und Leben zu schützen, müssen wir uns einer bedrohlichen Situation entziehen, flüchten. Die Angstreaktion als solche ist also eine sehr nützliche und gesunde, lebenserhaltende Reaktion. Wenn diese Angstreaktion jedoch außer Kontrolle gerät, kann sie zum Problem werden, weil nämlich die Einschätzung einer Situation als bedrohlich oder sogar lebensbedrohlich häufig nicht mit der Realität übereinstimmt.
Wie jede Angst, äußert sich die Flugangst auf drei Ebenen, der körperlichen, der Verhaltensebene und der Gefühlsebene.

Symptome der Aviophobie

Die körperliche Seite dieser Angst kann in verschiedenen Gefühlen und Symptomen zum Ausdruck kommen. Die Betroffenen spüren starke körperliche Beschwerden, die jedoch nicht als Ursache einer Krankheit anzusehen sind, sondern eine körperliche Reaktion des Betroffenen auf die Flugangst darstellen. So kann es zu Zittern, Magen-Darm-Problemen, Schwindelgefühlen, Muskelverkrampfungen, schweißnassen Händen, flauem Gefühl in der Magengegend oder auch dem Gefühl, einen Kloß im Hals zu haben, kommen.

In der Verhaltensebene wird bei der Konfrontation mit der angstauslösenden Situation eine unmittelbare Angstreaktion ausgelöst, die bei den Betroffenen eine Fluchtreaktion auslöst. Die Flucht aus der Situation bringt eine rasch nachlassende Angst mit sich. Der Betroffene verspürt eine deutliche Entspannung. Dieses Erleben von Erleichterung durch die erfolgte Vermeidungsreaktion, das Nachlassen dieses Panikzustandes führte dazu, daß dieses Verhaltensmuster sich festigt. Damit entsteht das Problem, daß durch die Vermeidung die Angst nicht abgebaut werden kann, da der Betroffene sich nicht mehr in die angstauslösende Situation begibt. Dieses Verhalten kann sogar dazu führen, daß die Angst sich vermehrt und ausbreitet. Als Beispiel sei hier genannt, daß sich in verschiedenen Situationen häufig gleiche oder ähnliche Elemente finden. Denken wir an die Enge in einem Fahrstuhl, Tunnel oder Flugzeugen und das Unwohlsein, das ausgelöst werden kann bei großer Höhe, wie zum Beispiel auf Bergen, in Flugzeugen oder Sesselliften.

Empfinden, Denken und Verhalten: Wechselspiele bei Flugangst

Weiterhin spielt bei uns die Ebene, auf der Gefühle und Gedanken ablaufen, eine große Rolle. Ein jeder kennt solche Gedankenabläufe, die sachlich betrachtet, vollkommen irrational sind.
Hier ein paar Beispiele: "Wenn ich in dieses Flugzeug einsteige, wird das mein Kreislauf nicht mitmachen", "Ich werde mich fürchterlich blamieren", "wenn ich hier einsteige, wird das Flugzeug abstürzen". Diese Gedankengänge und überzeugungen können sich verfestigen, sozusagen automatisiert werden, so daß diese Abläufe in einer angstauslösenden Situation umgehend aktiviert werden und dadurch unsere Aufmerksamkeit und die Fähigkeit ihrer Steuerung stark beeinflussen, so daß wir regelrecht einen sogenannten Tunnelblick bekommen können und gar nicht mehr in der Lage sind, unsere Wahrnehmung auch auf andere Dinge richten zu können. Dieses kann sogar so weit führen, daß die Demonstrationen der Handhabung von Sauerstoffmasken und Schwimmwesten als Hinweis auf eine drohende Gefahr gewertet werden.

Diese drei Ebenen der Angst können völlig unterschiedlich ausgeprägt sein, für die Betroffenen kann sie sehr individuell auf einer oder mehreren Ebenen spürbar sein. Dabei ist es vollkommen gleich, welche Ebene oder Komponente die Angstwahrnehmung auslöst und dominiert, alle drei Ebenen sind wichtig bei der Entstehung und Aufrechterhaltung. Dabei ist es vom Mechanismus der Entstehung her sogar so, daß jede Ebene der Angst in der Lage ist, die komplette Reaktion auszulösen, zu verstärken und aufrechtzuerhalten. Hierbei ist noch die "Angst vor der Angst" ein ganz wichtiger Aspekt. Es kann sogar so sein, daß am Anfang der Angstreaktion gar keine Angstgefühle stehen, sondern körperliche Reaktionen, wie zum Beispiel Herzklopfen, Schwindel oder rasches Atmen.

Der Bezug zwischen Flugangst und dem Empfinden einer mangelnden Kontrolle über die Situation und das eigene Wohlbefinden sind bei der Flugangst besonders ausgeprägt. Als Passagier muß man sich dem Flugzeug und den Piloten anvertrauen, was viele Menschen mit Flugangst als regelrechtes sich Ausliefern empfinden.
Diese Angst kann lebensbedrohliche Ausmaße annehmen, Angst vor Verletzungen, Bedrohung der körperlichen Unversehrtheit, Todesangst und die Angst vor dem Unheimlichen. Im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln kommt Flugangst viel häufiger vor. Auch im Auto, in der Bahn oder auf dem Schiff vertrauen wir uns der Technik und anderen Menschen an. Allerdings erscheint uns die Gefahr, die hiervon ausgehen könnte, wesentlich geringer.
Außerdem spielen sich diese Verkehrssituationen bis auf das Schiff auf dem festen Booten ab, beim Schiff haben wir immer noch das uns mehr vertraute Wasser. Wir haben also bei den anderen Transportformen mehr Möglichkeiten, eine gefährliche Situation zu beeinflussen. Wir können aussteigen, die Notbremse ziehen oder in ein Rettungsboot steigen. Beim Fliegen erleben wir eine Situation und ein Gefühl, in der wir keinen Einfluß auf das Geschehen nehmen können, uns wird der Boden unter den Füßen regelrecht weggenommen.

In einigen Fällen kann die Flugangst auch durch Veränderungen der Lebenssituation ausgelöst werden. Einschneidende Erlebnisse wie z.B. Scheidung, Todesfall, schwere Krankheit oder auch Heirat und die Geburt eines Kindes kann unter bestimmten Begleitumständen zu Flugangst führen. Jede Umgestaltung des Lebens oder Neuorientierung bedeutet Streß und kann zur Entwicklung von Flugangst beitragen.

Flugangst Therapie

Bei einer tatsächlichen Flugangst die von Angstzuständen oder Panikattacken einher geht ist der Gang zum Facharzt anzuraten. Die Kosten für eine Aviophobie Therapie durch einen Facharzt werden von der Krankenkasse in der Regel übernommen - dies gilt jedoch nicht unbedingt für die häfig beworbenen "Wochenendseminare Flugangst loswerden".
Die Therapie von Flugangst besteht in der Regel aus einer Verhaltenstherapie, psychologischer Ursachenforschung und fallweise auch das Erlernen von bestimmten Entspannungstechniken oder Autogenem Training. (Zur Behandlung von Ängsten siehe auch: Angst)